Die Oberstufe bringt bei allem Stress und Zeitmangel auch einige gute Dinge mit sich. Für mich waren es neue, sehr gute Freunde und ein Ritual, von dem ich nicht weiß, ob ich stolz drauf sein soll, oder nicht.

“Wir müssen ein GHS-Treffen machen!” sagt die Languste, als ich neben ihr im Bistro unserer Schule sitze. Allgemeine Zustimmung. Ich schaue sie verwirrt an. “Was ist denn bitte GHS?” frage ich stirnrunzelnd und sehe in die Runde. Newton zuckt mit den Schultern, während die Languste und Danny anfangen zu grinsen. “Na Gelegenheitssäufertreffen!” antwortet Danny und ich schüttele den Kopf. “Seit wann gibt es eine Abkürzung?” frage ich, nicht weniger verwirrt als vorher. “Seit fast einem Jahr.” antwortet die Languste und sieht mich nun zweifelnd an, so als hätte ich den Hurricain nicht mitbekommen, der über unsere Köpfe hinwegzog. “Ich wusste davon auch nichts.” klärt mich Newton auf und jetzt lächele ich. Sowohl Newton, als auch ich waren seit dem ersten Treffen dabei und nun bekommen wir nicht mit, dass es eine Abkürzung gibt. “Naja, wenn das so ist, stimme ich dem Vorschlag natürlich auch zu.” ergänze ich die eigentliche Frage. Schnell wird abgemacht bei wem wir uns Treffen und zusammensitzen. Schnell wird klar, dass es wieder mal bei Danny endet. Unsere Wege trennen sich für den Rest des Schultags und ich fahre auf dem Heimweg am Lidl vorbei, um eine flasche Sekt und eine Tüte Chips zu holen.
Ein paar Tage später klingelt es an der Tür. Die Languste wartet im Auto auf mich und ich lasse mich mit Sekt, Chips und einer Tasche mit Klamotten und Handyladekabeln auf den Platz neben ihr fallen. “Ich habe mich total auf heute und euch gefreut.” kommt es aus meinem Mund und die Languste nickt und legt sich mit ihrem Kleinstwagen voll in die Kurve. “Der Sekt platzt.” sage ich, aber sie grinst nur und sagt mir ich soll still sein. Also bin ich still und lache nur vor mich hin. Als wir in Gotham halten, um Newton abzuholen strahlt sie uns entgegen. Etwas, dass für Newton eher untypisch ist. Sie steigt zu und wir fahren weiter. “Ich habe Zigaretten dabei.” informiere ich den Wagen und die Languste nickt grinsend. “Wolltest du nicht aufhören zu rauchen?” kommt der obligatorische Kommentar von Newton und es folgt irgendeine Konstruktion mit “Ja, aber…” ich suche nach Ausreden. Wir alle wissen, dass ich nicht aufhören werde, keiner spricht es aus. Bei Danny angekommen laden wir die Klamotten in ihr Zimmer und machen es uns auf der Couch im Wohnzimmer bequem. Die erste Flasche wird geöffnet, eine Runde wird ausgeschenkt und wir beginnen zu reden. Über Gott und die Welt, aber vor allem über die Dinge die uns aufregen, oder runter ziehen und irgendwann änden wir dann immer beim Thema Eltern, ins Besondere beim Thema Väter. Einer weint. Diesmal bin es nicht ich. Man möchte jetzt meinen, dass es traurig klingt, aber den Großteil des Abends haben wir Spaß, außerdem ist mittlerweile auch die dritte Flasche Sekt geleert und außer Danny, sind wir alle gut angeheitert, und emotional. Ich liebe den Abend. Wir sitzen zusammen, verbringen Zeit und reden. Und ich will nicht, dass er endet, als Danny beschließt, viel zu früh (also gegen 2 Uhr morgens) ins Bett zu gehen. Meistens ist Newton zu diesem Zeitpunkt schon abgeholt worden und die Languste und ich bleiben allein zurück auf der Terrasse, am Rauchen, Reden und Trinken. Manchmal in Begleitung von Danman*, Dannys kleinem Bruder. Wir spielen Karten, oder hören Musik und verbringen so die Zeit, bis die Sonne schon am Himmel zu sehen ist. Es ist kalt, doch das ist uns auch egal, denn es ist einfach ein schönes Zusammensitzen und die Languste und ich sprechen Dinge aus, die ich sonst nie sagen würde. Das ich sie liebe, zum Beispiel. Nur leider geht auch diese Zeit bald vorbei und wir gehen rein, um uns entweder tatsächlich schlafen zu legen, oder darauf zu warten, dass der Alkohol langsam aus unseren Körpern verschwindet. Irgendwann frühstücken wir, und an manchen Tagen sehen wir Danny tatsächlich noch, bevor wir fahren. An den meisten hinterlassen wir einen Zettel zum Abschied und fahren gemeinsam heim. Als ich endlich in mein Bett falle, merke ich, dass genau diese Abende und diese Leute mein Leben so unbezahlbar und wunderschön machen. Dann schlafe ich übermüdet ein.

Livia Alexa

*Alle Namen wurden von der Redaktion geändert und tauchen hier nur als alias auf.